ntv.de Dienste
Software
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Finanzen

FELIX HAUPT BöRSENEXPERTE Börsenexperte Felix Haupt über Zertifikate – das müssen Anleger wissen

©memyjo/Adobe Stock

©memyjo/Adobe Stock

Wer ist Felix Haupt?

Felix Haupt von der BeJoCo Finanzinformation GmbH ist Experte in den Bereichen Trading und Börse. Er verfügt über eine langjährige Erfahrung mit unterschiedlichsten Anlageklassen und teilt sein Wissen unter anderem mit seinem beliebten Börsenbrief. Hier können sich Anleger und Interessierte informieren, wie sie mit Aktien und Hebelscheinen ein lukratives Depot entwickeln und langfristig solide Renditen erzielen. Neben seiner Tätigkeit an der Börse ist Felix Haupt im Bereich Persönlichkeitsentwicklung aktiv.

Weiterführende Informationen:
https://felix-haupt-erfahrungen.de/
https://felixhaupt.com/

Wie kam es zur Entwicklung von Zertifikaten?


Die Anfänge der Zertifikate reichen zurück bis in die 1980er-Jahre. Damals war es Privatanlegern noch kaum möglich, ihre Depots abzusichern und von sich seitwärts entwickelnden oder fallenden Kursen zu profitieren. Ebenso konnten sie nicht in Indizes wie den DAX investieren, ohne alle enthaltenen Werte einzeln kaufen zu müssen. Auch Investitionen in ausländische Märkte und Rohstoffe standen Privatpersonen kaum offen. Diese waren professionellen Anlegern vorbehalten.

Einen Wendepunkt stellt der Anfang der 1990er-Jahre dar. Damals entwickelten Kreditinstitute wie die Dresdner Bank die ersten Zertifikate, die Privatanlegern völlig neue Anlagemöglichkeiten eröffneten. Fortan konnten sie von fallenden und seitwärts verlaufenden Kursentwicklungen profitieren und mit geringem Kapitaleinsatz in breit gestreute Wertkonstellationen investieren.

Wie funktionieren Zertifikate?


Bei Zertifikaten handelt es sich um Kombinationen aus Anleihen und Derivaten. Mit Anleihen haben sie gemein, dass der Anleger dem Emittenten Geld leiht und damit Erlöse erzielen will. Anders als bei der klassischen Anleihe erhält der Anleger aber keine über die Laufzeit ausgezahlte fixe Verzinsung. Stattdessen verpflichtet sich der Herausgeber zur Zahlung einer bestimmten Geldsumme an den Gläubiger, wenn vorab definierte Bedingungen eintreten. Treten die Bedingungen nicht ein, erzielt der Anleger weniger Rendite oder erhält lediglich seine Einzahlung oder einen Teil davon zurück.

Als Basiswerte können dabei ganz unterschiedliche Werte fungieren. Hierzu gehören beispielsweise Aktien, Anleihen, Derivate, Rohstoffe, Devisen und Fonds. Der Kauf der zugehörigen Zertifikate kann sowohl an Börsen als auch direkt über den Emittenten erfolgen.

Die wichtigsten Arten von Zertifikaten im Überblick


Aufgrund ihrer Vielfalt ist die Funktionsweise von Zertifikaten vor allem für Börseneinsteiger oft nicht unmittelbar greifbar. Banken können Zertifikate in nahezu beliebiger Form vergeben, wobei sich zum Teil erhebliche Unterschiede in Sachen Laufzeit, Rückzahlungsprofil, Risikostreuung und Renditepotenzial ergeben.

Um sich die Vielfalt besser vorstellen zu können, werden im Folgenden die wichtigsten Arten von Zertifikaten vorgestellt – gegliedert nach Basiswerten und innerer Struktur.

1. Zertifikate nach Basiswert

Indexzertifikate:

Zertifikate dieser Kategorie beziehen sich auf einen Index wie beispielsweise den DAX, den Nikkei oder den Dow Jones. Teilweise stellen Emittenten auch eigene Indizes zusammen, zum Beispiel unter dem Aspekt der ökologischen Nachhaltigkeit oder der Inhaberstruktur.

Basket-Zertifikate:

Dem Namen entsprechend werden bei dieser Form verschiedene Basiswerte wie Aktien oder Rohstoffe in einem Korb zusammengefasst. Die Funktionsweise ist mit der des Indexzertifikats im Wesentlichen identisch. Der wichtigste Unterschied besteht darin, dass der Emittent die Gewichtung der enthaltenen Werte während der Laufzeit anpasst. Diesbezügliche individuelle Vereinbarungen sind dem Emissionsprospekt zu entnehmen und vor dem Zertifikatkauf ausreichend zu berücksichtigen.

Einzelwertzertifikate:

Diesen Zertifikaten liegt als Basiswert nur ein einzelner Wert zugrunde. Das kann zum Beispiel ein Rohstoff wie Gold oder Silber, aber auch eine einzelne Aktie sein.

2. Zertifikate nach Struktur

Kapitalschutzzertifikate:

Ein Kapitalschutz gewährleistet die Rückzahlung des eingesetzten Kapitals zum Ablauf der Laufzeit auch dann, wenn vereinbarte Bonusregelungen oder andere Zusatzverträge nicht zur Anwendung kommen. Hierbei ist zu berücksichtigen, dass der Kapitalschutz nur so lange greift, wie der Emittent solvent ist.

Discountzertifikate:

Discountzertifikate zeichnen sich dadurch aus, dass der Kaufpreis unter dem Preis des gewählten Basiswerts liegt. Welchen Anteil des angelegten Geldes man am Ende der Laufzeit erhält, ist vom Preis des gewählten Basiswerts an einem bestimmten Stichtag abhängig. Liegt der Preis über der festgelegten Grenze, erhält man zusätzlich zum eingesetzten Geld einen Gewinn. Liegt er darunter, erhält man den zum Laufzeitende aktuellen Preis oder einen vorab festgelegten Geldbetrag.

Lineare Anleihen:

Lineare Anleihen gehören zu den unkompliziertesten Zertifikaten. Sie entwickeln sich ausschließlich nach der Entwicklung eines Basiswerts. Darüber hinaus gibt es keine weitere Strukturierung. So kann man direkt an der Entwicklung von Basiswerten teilhaben, ohne selbst Anteile kaufen zu müssen.

Aktienanleihen:

Bei dieser Form erhält man am Ende der Laufzeit entweder eine Barauszahlung in Höhe der vereinbarten Zinsen oder stattdessen eine wertgleiche Menge an Aktien. Dasselbe gilt für das eingesetzte Kapital. Wenn die Aktie über einem bestimmten Wert steht, erhält man am Laufzeitende sein volles Kapital zurück, andernfalls eine vorher festgelegte Anzahl an Aktien.

Bonuszertifikate:

Bei Bonuszertifikaten werden üblicherweise eine Laufzeit und eine bestimmte Barriere festgelegt, die nicht unterschritten oder berührt werden darf. Gelingt dies, wird ein Bonus ausgezahlt. Andernfalls erhält man lediglich den Basiswert zurück.

Expresszertifikate:

Expresszertifikate eröffnen Anlegern vorzeitige Rückzahlungsmöglichkeiten, die die Laufzeit verkürzen können. Üblicherweise gibt es einen Stichtag pro Jahr, an dem das Zertifikat zurückgegeben werden kann. Ist an diesem Tag ein bestimmter Schwellenwert nicht unterschritten, kann man das Zertifikat mit Gewinn zurückgeben. Ist dies nicht der Fall, muss man das Zertifikat bis zum nächsten Stichtag halten. Dies setzt sich bis zum Laufzeitende fort. Liegt der Wert auch dann noch unter der Grenze, ist die Rückzahlungshöhe üblicherweise von dem Basiswert abhängig.

Hebelzertifikate:

Bei Hebelzertifikaten geht es darum, die Bewegungen eines Basiswerts proportional verstärkt nachzuzeichnen. Möglich wird dies, indem man beim Kauf einen deutlich geringeren Preis als die Höhe des Basiswerts zahlt. Auf diese Weise kann eine Erhöhung des Basiswerts um zwei Prozent bereits eine Erhöhung des Zertifikats um 20 Prozent bedeuten. Allerdings gilt dies auch für Verluste. Um entsprechende Absicherungen zu treffen, sind viele Hebelzertifikate mit einer Knock-out-Schwelle versehen. Diese führt zum Beispiel dazu, dass das Zertifikat bei Erreichen eines bestimmten Werts verfällt.

Welche Chancen und Vorteile bieten Zertifikate?

Ein wesentlicher Vorteil von Zertifikaten besteht darin, dass man in nahezu jeder Marktlage Gewinnpotenziale realisieren kann – egal, ob bei steigenden, seitwärts gerichteten oder fallenden Kursen. Weiterhin bestehen zusätzliche Renditepotenziale in Form von Boni und Hebeln und die Zertifikate können frei an Börsen und OTC gehandelt werden.

Ein Nachteil besteht darin, dass Zertifikate sehr komplexe und facettenreiche Finanzprodukte sind. Vor allem für allein handelnde Einsteiger entstehen dadurch nicht unerhebliche finanzielle Risiken. Das gilt besonders beim Einsatz von Hebelzertifikaten, bei denen überproportionale Verluste möglich sind. Weiterhin besteht bei einigen Anbietern das Problem, dass die Produkte nur bedingt transparent sind.

Darauf sollte man beim Kauf von Zertifikaten achten


Insgesamt ist festzuhalten, dass Zertifikate vor allem für erfahrenere Anleger geeignet sind. Man sollte bereits einige Investitionen getätigt haben und über eine fundierte Marktkenntnis verfügen, ehe man sich näher mit ihnen beschäftigt.

Wer in das Thema Zertifikate einsteigt, sollte sich bei der Auswahl auf Produkte beschränken, die er auch wirklich versteht. Damit vermeidet er einerseits Überraschungen, andererseits kann er die Angebote verschiedener Emittenten besser vergleichen. Weiterhin gilt bei jedem Zertifikatkauf die klassische Empfehlung der Diversifikation. Das bedeutet, dass man sein Kapital breit über verschiedene Produktklassen aufteilen sollte.

Zu guter Letzt sollten sich vor allem sicherheitsbewusste Anleger über Möglichkeiten der Risikominimierung informieren. Hier sind vor allem Garantie- und Kapitalschutzzertifikate zu nennen. Sie garantieren ereignisunabhängig zumindest die Rückzahlung des Einsatzes am Laufzeitende. Oft sind diese Absicherungen aber nur gegen höhere Gebühren erhältlich, weshalb auch hier unter dem Gesichtspunkt der Rendite genau hingesehen werden sollte.
Wer mehr zum Thema Zertifikate erfahren möchte, wird beim Börsenexperten Felix Haupt fündig.