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Business-Profilerin Suzanne Grieger-Langer: "Führungskraft heißt, auch mal das Arschloch zu sein"

"Eine Führungskraft muss polarisieren"

Führungskräfte gehören zum täglichen Geschäft von Suzanne Grieger-Langer. Als Business-Profilerin ist sie darauf spezialisiert, die wirklich und die weniger Fähigen voneinander zu trennen. Prinzip Goldwäsche: Leicht schütteln und wer hängenbleibt, taugt was. "Führung wird im Job gelernt, wer fit zwischen den Ohren ist, kriegt das hin, aber nicht jeder ist dafür gemacht", stellt sie klar. Darum funktioniere es auch oftmals nicht, frisch zertifizierte Hochschulabsolventen in Führungspositionen zu setzen, denn "Führung ist ein Peoplebusiness, wir brauchen echte Menschen". Wichtiger als ein Abschluss sei eine Haltung. Und die könne man nicht lernen.

Wer führt, muss der Erwachsene sein. Wahrnehmen und umsetzen, wovor andere zurückschrecken, sich etwas trauen und im Zweifelsfall "keine Angst davor haben, das Arschloch zu sein". Klare Maßgabe, aber lautet die unbequeme Wahrheit nicht, dass unbequem nur ungern gesehen wird? "Unbequem ist anstrengend, ja. Aber der Laden soll ja vorankommen und der Weg zum Olymp führt nicht über Wattebäuschchen. Wir neigen dazu, es uns leicht machen zu wollen und Ärger zu vermeiden. Aber so funktioniert weder das Leben noch ein Unternehmen."

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"Game Changer Elon Musk ist einer der ganz Großen", so Suzanne Grieger-Langer

Suzanne Grieger-Langer weiß aus Erfahrung, welche Charakteristika Top-Manager brauchen
Profilerin Suzanne Grieger-Langer coacht Führungskräfte

Die Frau aus Frankfurt muss es wissen: Als CEO der Grieger-Langer Gruppe arbeitet sie seit 25 Jahren als Dozentin und Trainerin, berät Unternehmen in Sachen Human Resources und schreibt Bestseller. Suzanne Grieger-Langer weiß, wovon sie spricht, weil sie selbst eine Führungskraft sein muss und vergleicht gute Führungskräfte gerne mit Hochleistungssportlern. Die haben nur ein Ziel vor Augen, für das sie ihre ganze Energie und Motivation einsetzen.

Elon Musk wäre dafür ein Beispiel aus der Wirtschaft. In den Abständen, in denen der Mann innovative Unternehmen gründet oder sich an welchen beteiligt, kriegen andere gerade mal ihren neuen Leasingwagen. Zehn an der Zahl sind es seit 1995, geredet und geschrieben wird allerdings fast ausschließlich nur über Tesla, den Hersteller von E-Autos, und das negativ. Streitbar und schillernd gleichzeitig, vertritt der gebürtige Südafrikaner dennoch die Gruppe der "Game Changer", wie Suzanne Grieger-Langer sie nennt: Menschen mit enormem Antrieb und Visionen für die Zukunft. "Er hat sich übernommen und politisch verstrickt, aber er bleibt nahbar und übernimmt Verantwortung, auch gegen Angriffe von außen", analysiert sie. Für die Charakter-Profilerin bleibt Musk einer der ganz Großen. "Wenn er die Tesla-Produktion in den Griff kriegt, hat er es geschafft - und bereitet vielen anderen ein Riesenproblem", ist sie überzeugt.

Musk polarisiert - und genau das sollte eine Führungskraft ihrer Ansicht nach tun. Denn wer polarisiert, gehört nicht zum Mainstream. Der hat an der Spitze nicht viel zu suchen, wenn es laufen soll. "Der gütige Mentor ist auf Dauer nicht glaubhaft. Die meisten Mitarbeiter identifizieren sich mit einer schrulligen Führungskraft viel mehr." Das bedeutet nicht, dass ein Chef alles mit ihnen machen kann, denn Mitarbeiter sind heute mündiger als früher, kennen Vergleiche und lassen sich weniger bieten. Dennoch sollte einer Führungskraft klar sein: "An erster Stelle steht, dass der Laden laufen muss. Wenn sich Mitarbeiter wohlfühlen, leisten sie vielleicht bessere Arbeit, aber ich kriege die Leistung umgekehrt nicht, weil sie sich wohlfühlen. Das Wohlfühlgefühl ist die Kirsche auf der Sahne, aber nicht das Unternehmensziel." Das allen im Team klarzumachen, sei eine Aufgabe von Vorgesetzten.

Führungskräfte müssen nicht beliebt sein

Suzanne Grieger-Langer ist erfahrene Business-Profilerin
"An erster Stelle steht, dass der Laden laufen muss", sagt Suzanne Grieger-Langer

Die Realität fühlt sich anders an. Da wird um die Gunst von Mitarbeitern gebuhlt und mit Versprechungen gelockt. Davon hält die Business-Profilerin nichts. "Wer Angst hat, keine Mitarbeiter zu kriegen, rollt ihnen den roten Teppich aus und verdreht damit die Macht." Umgekehrt scheitern Menschen mit Attitude und Führungsqualität häufig an Strukturen, gerade in Konzernen. "Das Gute ist: Heute besteht keine Konzernabhängigkeit mehr. Wenn sie dort nicht weiterkommen, gründen diese Menschen einfach selbst." Unabhängig von der Größe des Unternehmens gilt nach Ansicht von Suzanne Grieger-Langer, sich vor Augen zu halten, dass ein Arbeitsverhältnis ein Deal ist. Eine Führungskraft sollte respektiert, muss aber nicht beliebt sein. Wer für etwas brennt, reagiert vielleicht auch mal hitzig. Aber wer es nicht tut, kann auch niemanden anfeuern.

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